Schreyhals 44

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FC BASEL 1893 – FCZ, 09. August 2014

IM AUFBRUCH

Vor knapp zwei Monaten gewannen die FCB –Frauen den Schweizer Cup – es war dies der erste Titelgewinn überhaupt dieser jüngsten Abteilung des FC Basels. Zeit für eine Berichterstattung.

Die Sonne steht an diesem Hochsommertag senkrecht über der Lehenmatte und treibt den Schweiss von der Stirn und die Menschen in die Gewässer. Versteckt hinter einer Häuserzeile und eingebettet zwischen Birs und «Dalbedych» befinden sich jene betreuten Wohnhäuser, die als Teil des Campus-Projekts vielversprechende Nachwuchstalente beherbergen. Hier, wo man noch knapp den «Joggeli-Turm» über die Autobahn ragen sehen kann, sind auch die FCB -Frauen einquartiert. In einer adrett möblierten Wohnung im 2. Stock, wo der St. Alban-Teich teilweise lauter als die Autobahn zu hören ist, sitzt Eseosa Aigbogun. Die 21-jährige nigerianischschweizerische Doppelbürgerin hat im Sommer 2011 zum FCB gewechselt und spielt ausserdem seit September 2013 auch für die A-Nati der Schweiz.

Gründerzeit
Die Historie des Frauenfussballs beim FC Basel beginnt im Sommer 2009, als sich der FCB und Concordia Basel «auf eine Kooperation» einigten: Die NLA –Mannschaft sowie die U18 von «Congeli» wurden in den Spielbetrieb des FC Basels integriert. Erklärtes Ziel war das «Etablieren des Frauen-Spitzenfussballs in der Nordwestschweiz und andererseits der Aufbau einer gezielten Talentförderung sowie eine bessere Abstützung im Breitensport», wie es in der dazugehörigen Medienmitteilung hiess. Man folgte damit dem Beispiel von anderen Schweizer Klubs, welche ähnliche Schritte bereits vollzogen und damit der zunehmenden Professionalisierung – beispielsweise der Einführungen eines eigenen Ressorts beim SFV anno 2004 sowie die Eröffnung eines Ausbildungszentrums in Huttwil gleichen Jahres – im Frauenfussball Rechnung trugen. So entstanden zu dieser Zeit (und auch später) viele Profi-Abteilungen, welche allesamt aus Zusammenarbeiten mit lokalen, gut strukturierten Frauenklubs hervorgingen, etwa die FCZ Frauen (FCZ und FFC Zürich Seebach), die YB Frauen (YB und FFC Bern) oder die GC Frauen (GCZ und FFC United Schwerzenbach).

Der Anfang war wie erwartet harzig; Benno Kaiser erinnert sich an «bittere Niederlagen im ersten Jahr» zurück. Kaiser kam damals als administrativer Leiter Nachwuchs zum Frauenfussball wie die Jungfrau zum Kind. Das erste Jahr unter Willy Schmid (der heute als Trainer beim FC Dulliken engagiert ist) hätte denn auch fast in einem Abstieg geendet; der Ligaerhalt konnte erst in der Barrage gesichert werden. Einer Barrage notabene, die man bereits mit der neuen Trainerin Susanne Gubler bestritt, welche den FCZ in der erwähnten Spielzeit zum Titel führte und schon eine Woche nach dem Ende der regulären Spielzeit an der Seitenlinie der Baslerinnen stand. Susanne Gubler führte das junge Basler Frauenteam zweimal hintereinander in den Cup-Halbfinal. Sie blieb zwei Jahre Cheftrainerin, ehe sie beim FCB das Amt der technischen Leitung der Nachwuchsabteilung übernahm.

Ära Naldi
Ersetzt wurde Gubler auf die Saison 2012/2013 hin durch Beat Naldi, welcher zuvor die neu gegründeten U-16 der Frauen trainierte und auch sonst über viel Erfahrung (mehrfacher Schweizermeister mit Luzern; Durchmarsch aus der 2. Liga in die NLB mit Aarau) im Frauenfussball verfügte. Der gebürtige Arlesheimer – einst beim FCL selber in der höchsten Spielklasse aktiv – führte die Baslerinnen in seinem ersten Jahr auf den zweiten Platz in der Meisterschaft. Ausserdem konnten sich der FCB unter Naldi erstmals für das Cupfinale qualifizieren. Gegner in diesem Spiel war der übermächtigen FCZ; die Zürcherinnen hatten zu diesem Zeitpunkt die Meisterschaft bereits gewonnen und alle 22 Spiele mit einem Skore von 125:9 für sich entschieden. Entsprechend klar waren denn auch die Verhältnisse bei diesem Endspiel im fribourgischen Stade St. Léonard, und der FCB verlor – allerdings nicht chancenlos – mit 0:5. Naldi machte nach dem Spiel unter anderen physische Defizite und fehlende Kaltblütigkeit vor dem Tor für die Niederlage verantwortlich.

Bereits ein Jahr später, in der Saison 2013/14, sollte Naldi mit seinem Team jedoch reüssieren. Die Titelträume in der Liga wurden zwar bereits vor Beginn der Finalrunde praktisch begraben, aber nach eine ungefährteden 8:0-Sieg (und etwas Losglück) im Halbfinale gegen den B-Ligisten Femina Kickers aus Worb lautete die Affiche für das Endspiel Kriens gegen Basel; die Krienserinnen haben zuvor überraschend den FCZ besiegt. Und zwei Tage vor dem Finale ihren Trainer entlassen. Auch keine optimale Ausgangslage für das Spiel in Wohlen.

Dort, auf der Niedermatt vor 1‘200 Zuschauern, schossen Fabienne Bangerter in der 7. und Samira Susuri mit einem Freistoss Prädikat Augenweide in der 78. Minute die beiden Tore zum 2:1-Sieg. Es war denn auch Bangerters letztes Spiel für den FCB – sie wird ab der kommenden Saison für den SC Freiburg spielen.

Neue Strukturen
Den FCB ebenfalls verlassen mussten Beat Naldi und Susanne Gubler. Im Soge einer grösseren Umstrukturierung mit dem Ziel, die drei Frauenteams (NLA , U18 und U16) näher zusammenzurücken, haben die Verantwortlichen um Benno Kaiser einen Führungswechsel vollzogen. Trotz dem Bewusstsein um die wertvollen Verdienste von Naldi und Gubler für die «nachhaltige Entwicklung im Frauenbereich» war es laut Kaiser an der Zeit, «Platz für neue Kräfte zu machen», wie er in der BaZ (25.02.2014) zitiert wird.

Naldis Nachfolger ist Kaan Kahraman. Er wird gleichzeitig auch in die Talentförderung integriert, während Stefano Ceccaroni die Technische Leitung der Nachwuchsabteilung übernimmt. Kahraman trainierte vorher die U-18 Frauen von Solothurn / Zuchwil und ist noch NLA -unerfahren. Später am Tag wird Seraina Degen diesen Entscheid als «mutigen Schritt» bezeichnen. Degen begleitet als Journalistin seit einigen Jahren den Schweizer Frauenfussball. Jedenfalls deutet Vieles an der Entwicklung des Teams, der Spielerinnen und der Infrastruktur darauf hin, dass ein Meistertitel nicht mehr nur eine Option, sondern viel mehr ein Ziel werden muss. Vielleicht nicht gerade im nächsten Jahr, sicher aber in den nächsten Jahren. Aigbogun sieht das ähnlich, wenn sie sagt, dass bereits jetzt «ein Aufbruch innerhalb der Mannschaft spürbar sei.» Ob sie dann noch dabei ist, steht in den Sternen. Auf die Frage, wo sie denn gerne einmal spielen würde, antwortet die junge Frau mit den Chelsea Ladies. Auf dem Weg dorthin wird sie noch das eine oder andere Tor für den FCB und die Schweizer Nati erzielen.

Weltmeisterschaft
Mittlerweile sitzen wir im Unternehmen Mitte. Hinter uns wird die Tageswoche produziert, und neben uns produzieren die Baristas akkuraten Latte macchiato. Wir kommen auf die Frauen-Nati zu sprechen. Der FCB stellt aktuell fünf Spielerinnen im A-Kader.

Es war am 15. Juni, die Männer starteten gerade mit einem 2:1 Sieg über Ecuador in die WM – unvergessen Valon Behramis fulminanter Lauf in der 90. Minute –, als sich die Frauen ihrerseits für die kommende WM in Kanada 2015 qualifizieren konnten, weil sich die direkten Verfolger unentschieden trennten. Dies ist umso bemerkenswerter, als mit Island und Dänemark zwei starke Teams auf die Plätze zwei und drei verwiesen werden konnten. Dennoch darf man die Tabelle nicht überinterpretieren – auch und gerade deswegen, weil das Torverhältnis von 48:1 zu Gunsten der Schweiz sehr hoch ausfällt. Degen zufolge ist die Schweiz sicherlich kein Punktelieferant, jedoch müssen die verbleibenden zehn Monate intensiv genutzt werden, um sich optimal für Kanada vorzubereiten. Dann sei Vieles möglich, oder wie es die Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg jüngst ausdrückte: «Wir wollen zeigen, dass mit uns zu rechnen ist. Es geht jetzt darum, den Rückstand auf die großen Nationen Stück für Stück zu verkleinern.» Ungeachtet des Abschneidens in Kanada bleibt festzuhalten, dass ein Aufschwung im Schweizer Frauenfussball spürbar ist. Es ist dies der Verdienst jahrelanger Arbeit auf Verbands- und Klubebene in der Aus- und Weiterbildung von Mädchen. Und nicht zuletzt eine logische Konsequenz aus den leidenschaftlichen Leistungen der jungen Fussballerinnen. Marco von Ah, der Mediensprecher des SFV, ist denn auch zuversichtlich, was die Anerkennung betrifft: «Spätestens zu Zeiten der WM im Juni 2015 wird das mediale und öffentliche Interesse für den Frauenfussball in der Schweiz wohl so gross sein wie noch nie zuvor.» (TaWo, 03. Juli 2014)

Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Aufschwung beispielsweise darin äussern wird, dass die Spielerinnen von ihren Arbeitgebern für internationale Spiele frei bekommen. Und die Baslerinnen ihren ersten Meistertitel gewinnen können.

 

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