Schreyhals 39

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28. APRIL 2013, FC BASEL 1893 – FC Luzern

Ach Alex

Kaum etwas hat in den letzten Wochen in der rotblauen Fangemeinde für eine grössere Kontroverse gesorgt als der vorzeitige Abgang von Alex Frei. Der logische Karriereschritt einer der erfolgreichsten Figuren des Schweizer Fussballs, fanden die einen. Der Verrat eines unsolidarischen Charakterlumpen, schimpften die anderen. Auch in der Schreyhals-Redaktion gingen die Meinungen weit auseinander. Unser Autor versucht eine kritische Würdigung.

Die Zahlen sprechen für sich. 108 Tore hat Alex Frei für den FC Basel geschossen. In nicht einmal vier Jahren. Darunter wahnsinnig wichtige, zum Beispiel jene beiden gegen den FCZ im Mai 2011. Rückblickend waren diese Treffer einen Meistertitel wert. Unvergessen auch sein Kopfball zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Manchester United. Andere waren einfach nur wunderschön, etwa jener brachiale Freistosshammer gegen GC («Das isch mol e Gool»). Oder natürlich das Traumtor beim Abschiedsspiel gegen den FCZ, quasi als Schlussbouquet. Wenn Frei zu einem Penalty anlief, dann hielten die Basler Fans ihren Ruhepuls. So konstant und sicher verwandelte er jeweils. Keine Frage: Alex Frei war ein Ausnahmestürmer. Er prägte den FC Basel in dessen bis dato erfolgreichsten Ära. Das kann ihm niemand nehmen. Das wird in den Geschichtsbüchern stehen. Dafür sind ihm die FCB-Fans dankbar.
Doch Alex Frei wollte mehr, gerade gegen Ende seiner Karriere. Er wollte nicht mehr nur die Statistiken anführen, er wollte beliebt sein. Frei verzichtete auf viel Geld, auf Engagements im Ausland und kam in die Schweiz zurück, zum FCB. Hier hatte er noch eine Rechnung offen, nachdem er es als Junior nicht in die erste Mannschaft geschafft hatte. Vor heimischem Publikum wollte er der Nation sein Können zeigen. Und gleichzeitig beweisen, dass er mehr ist als ein verbissener Ehrgeizling. Nach seiner Rückkehr hat er merklich an seinem Auftritt gefeilt, gab gelassenere Interviews und hin und wieder hat er auf dem Platz sogar gelächelt. Er sprach plötzlich vom Kollektiv, davon, wie er junge Talente weiterbringen will. Der Angreifer, der stets so egozentrisch, nur auf sich und seinen persönlichen Torerfolg fokussiert wirkte, wollte eine neue Seite präsentieren. Zur Erinnerung: Wir sprechen von demselben Alex Frei, der noch im September 2009 nach seinem 40. Tor im Dress der Na­tionalmannschaft mit wütender Mimik seinen Teamkameraden Marco Padalino gleich zweimal brüsk zur Seite gestos­sen hatte, um seinen Triumph alleine feiern zu können.
Die Arbeit an seinem Image – gepaart mit seiner sportlichen Brillanz – zeigte Wirkung. Die Muttenzerkurve, die sich zu Beginn eher zurückhaltend gab, weil sie Freis «Nachtreten» gegen den FCB, wo man sein Talent verkannt habe, nicht vergessen hatte, legte mehr und mehr ihre Hemmungen ab. Einen eigentlichen Fansong schenkte sie ihm zwar nicht, doch der bereits erwähnte Jubel («Das isch mol e Gool») entwickelte sich zu einer melodischen Huldigung von Freis sportlicher Klasse. Nicht er als Person wurde gepriesen, aber immerhin sein Torriecher, seine Qualitäten als Stürmer. Und Frei war clever genug, sich damit zu begnügen, drängte sich bei den Fans nie in den Vordergrund. Es hätte so ein würdiger Abschied werden können diesen Sommer. Aber dann, die überstürzte Flucht nach Luzern. Ach Alex …
Man kann verstehen, dass einer, der in seiner Karriere stets den Unterschied ausgemacht hatte, sich zum Schluss nur ungern auf die Ersatzbank setzen mochte, dass wegen der Vernachlässigung durch Murat Yakin das starke Ego gekränkt war. Aber muss man deswegen den FC Basel, den «Verein des Herzens», wie es bei der Rückkehr hiess, der noch in drei Wettbewerben um Titel spielt und sogar drauf und daran ist, in der Europa League Unfassbares zu leisten, muss man diesen Club deswegen gleich Hals über Kopf verlassen? Frei stellte mit seinem Abgang seine eigenen Interessen über jene des Vereins und nahm in Kauf, dass das sensible Gefüge des Teams in einer entscheidenden Phase der Meisterschaft gestört werden könnte. (Dass sein Abgang nicht mehr Unruhe (und Misserfolg) in die Mannschaft gebracht hat, war im Vornherein ja nicht abzusehen.) Das ist legitim, schliesslich ist kein Spieler der Sklave eines Klubs. Aber es macht einen bei Fans halt nicht sehr sympathisch.
Damit es noch einmal betont ist. Alex Frei hat sich als Stürmer in Basel äusserst verdient gemacht. Er hat unbestritten einen massgebenden Beitrag zu den Erfolgen der letzten vier Jahre geleistet. Aber man darf auch einmal erwähnen, dass der FC Basel Frei auch enorm viel ermöglicht und zurückgegeben hat. Er konnte erstmals in seiner Karriere Titel gewinnen, die Champions League als Spieler erobern und mit zehntausenden Menschen auf dem Barfüsserplatz feiern. Und nicht zuletzt durfte er hier den Kreis seiner Fussballerlaufbahn schliessen. Bei dem Verein, bei dem alles begann. Es hätte ein Märchen werden können. Ach Alex…
Stilvoll hätte der Abgang werden können, wenn Frei mit der Offerte des FC Luzern direkt zu Bernhard Heusler gegangen wäre und mit ihm die Op­tionen besprochen hätte, anstatt diesen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Dann wäre es auch nicht zu der unmöglichen Situation gekommen, dass die beiden Vereine in einer Nacht-und- Nebel-Aktion die Übergangsmodalitäten hätten festlegen müssen. Frei soll ja bis fast zuletzt geglaubt haben, er könne die Saison mit dem FCB zu Ende bringen.

Denn nach dem Trainerstuhl in Sion ist derjenige des Sportdirektors in Luzern der wackligste in der Schweiz.

Vielleicht wäre man bei diesem Gespräch zum Schluss gekommen, den Vertrag aufzulösen und hätte das gemeinsam und sauber kommunizieren können. Oder Heusler hätte Frei von einem Verbleib überzeugt und alle wären sich nach dem Saisonende um den Hals gefallen. So wirkte der vorgezogene Rücktritt jedoch wie ein Schnellschuss, über dessen Konsequenzen sich Frei gar nicht in allen Facetten bewusst war.
Oder war es vielleicht ein derart einmaliges Angebot, dass Frei es nicht ausschlagen konnte? Das ist jetzt eine persönliche Meinung: Wohl kaum. Denn nach dem Trainerstuhl in Sion ist derjenige des Sportdirektors in Luzern der wackligste in der Schweiz. Es wäre vermutlich kein Jahr gegangen, bis Frei ihn wieder hätte besetzen können. Zugegeben, oberster Chef über die sportlichen Belange eines NLA-Vereins zu sein, das tönt natürlich besser als Juniorentrainer, auch wenn es die beste Nachwuchsabteilung des Landes ist. Aber warum die Eile? Frei hatte seinen Rücktritt ja damit begründet, dass er mehr Zeit für die Familie finden möchte. Und Geldsorgen hat er gewiss keine. Warum also nicht die Karriere ausklingen lassen, eine Auszeit nehmen, durchatmen? Hat er diese Möglichkeit nicht mehr gesehen, weil er es nach seiner Rückstufung beim FCB ins zweite Glied wieder einmal allen beweisen wollte? Ach Alex …
Aber wer weiss, vielleicht straft mich Alex Frei eines Tages ja Lügen. Vielleicht kehrt er in ferner Zukunft als Sportdirektor zum FCB zurück, gestählt durch die harten Lehrjahre beim FCL, abgehärtet durch den Sprung ins kalte Wasser, durch nichts mehr zu erschüttern. Dann fädelt er einige Sensations­transfers ein, kitzelt das letzte aus jedem Spieler raus und führt uns in den Champions-League-Final. Alex Frei sitzt dann auf der Haupttribüne neben dem Präsidenten der UEFA (vermutlich David Beckham). Und lächelt.

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