Schreyhals 42

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16. MÄRZ 2014  FC BASEL 1893 – FC Aarau

UND AM MÄNTIG MACHSCH E BLAUE …

Wir schreiben das Jahr 2014. Ein Fussballfan ist geprägt von Einschränkungen und Verboten. In grossen Teilen der Bevölkerung gilt er als unkalkulierbares Risiko, als Bedrohung der Sitten und als Propheten der Unordnung. Leid und Kummer scheint er über das Land zu bringen, es muss reagiert werden. Der FC Basel hat dafür seine ganz eigene Methode. Er hebt das Alkoholverbot im Stadion auf.

Anfangs dieses Jahres hat der eingefleischte Fussballfan eine bittere Pille zu schlucken. Das sogenannte Hooligankonkordat (stellen Sie sich zu diesem Wort ruhig die Musik eines Horrorfilms im Hintergrund vor) wurde angenommen. Dieses geht Hand in Hand mit weiteren Einschränkungen und Verboten. Gleichzeitig verrät es aber auch viel über das Bild, welches sich die schüchterne Schweiz über Fussballfans gebildet hat. An dieser Stelle soll jedoch nicht nochmals die gesamte Thematik aufgerollt werden. Entscheidend für diesen Text ist, dass die Schweiz eingeschüchtert ist. Sie fürchtet sich von der Person, welche als grober Gladiator, randalierender Höhlenbewohner oder primitiver Steuergeldverschwender daherkommt. Mit solchen Leuten will man überhaupt nichts zu tun haben, die Gefahr muss eingedämmt werden.
Nun sind wir beim speziellen Teil der Geschichte. Ziemlich genau zur selben Zeit als das Hooligankonkordat (gefährliche Musik im Hintergrund) angenommen wird, gibt das Unternehmen FC Basel bekannt, dass bei den Spielen, sofern kein hohes Risiko besteht, wieder Alkohol ausgeschenkt werden darf. Das Light Bier hat ausgedient und der Klassiker findet seinen Weg zurück ins Stadion. Das ganze Projekt sei auf ein Jahr beschränkt und wird wissenschaftlich begleitet. Wie diese wissenschaftliche Begleitung genau aussieht, was die Faktoren und Referenten sind, kann man sich dabei nur ansatzweise vorstellen. Höchstwahrscheinlich wird hauptsächlich der Faktor Gewalt eine tragende Rolle spielen. Der finanzielle Aspekt ist ebenfalls anzunehmen und vielleicht wird ja auch mal die jährliche Blasenentzündungsquote genauer unter die Lupe genommen. Wer weiss …
Kommen wir zurück zu der Widersprüchlichkeit der Geschichte. Dabei verfolgen wir die Frage, ob es klug ist, diesen krawallstiftenden Barbaren noch mit Alkohol vollzupumpen? Dieser Entscheid widerspricht absolut der Grundstimmung der Bevölkerung. Oder doch nicht? Scheinbar ist ein grosses Verlangen des Matchbesuchers nach Alkohol vorhanden. Ansonsten wäre der FC Basel wohl kaum interessiert, dieses Risiko einzugehen. Zudem hat er vielleicht auch eingesehen, dass Alkohol niemals ganz aus dem Stadion verbannt werden kann. Interessante Schmuggeltheorien lieferten uns die Medien schon mehrfach dazu. Weiter nimmt er sich damit dem Problem an, dass das Stadion bis zum Anpfiff noch nicht so gefüllt ist, wie es sein sollte. «Ich ha no paar Bierli, die muessi zerscht no dringge bevor ich ihne cha». Ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass jeder Stadionbesucher diese Worte schon mindestens einmal gehört hat. Die Folge davon sind Staus an den Eingangsbereichen und Fans, welche den Anpfiff verpassen. Dies drückt selbstverständlich auf die Stimmung und das Bild im Stadion. Aus diesen Aspekten ist es von offizieller Seite her ein guter Entscheid, dieses Verbot aufzuheben.
Aber es bleibt nun mal Alkohol. Und wie wir alle wissen, führt Alkohol einen Menschen zwangsläufig dazu, andere Menschen zu verprügeln, zu belästigen und Krawalle anzustiften. Es geht überhaupt nicht anders. Genussmittel war gestern, heutzutage wird der Alkohol nur noch benötigt, um sich selbst zu anstacheln, um bereit für die bevorstehende Unruhe zu sein. Aus diesem Grund läge es doch in der Verantwortung der offiziellen Seite, diese Unruhe einzudämmen. Dies ist ein Bild der Medien, welches in vielen Köpfen so verankert ist. Doch wie Ruedi Walter sagen würde, da wird eine ganz faule Geige gespielt. Der Alkohol an sich ist nicht das flüssige Böse und längst nicht jeder bedient sich diesem. Ein grosser Teil trinkt weder vor noch während dem Spiel. Heisst jedoch auch nicht, dass er vollständig harmlos ist..
Wir haben ein interessantes Fussballjahr vor uns. Das Stadion verwandelt sich in dieser Zeit vielleicht zu einem Mallorca Abklatsch, wo Kneipenlieder mit eingängigen aber einfachen Texten gegrölt werden und wo überdurchschnittlich oft eine Glaibasler Wälle als Verlängerung des Matches angestrebt wird. Ein Ort der Ermüdung, wo Liebeserklärungen und Freundschaftsbestätigungen inflationär erscheinen. Doch am stärksten kann man betonen, dass alles so bleibt wie es war. Die Gewalt und Zerstörung wird nicht zunehmen. Die Stimmung wird höchstwahrscheinlich zwecks Aufhebung der Hemmschwelle sogar davon profitieren. Bleibt nur noch die Frage, wie die gelobten Wissenschaftler diese Periode auswerten. Man sollte davon ausgehen, dass der FC Basel gewollt ist, auf längere Zeit hinaus dieses Verbot aufzuheben und somit auch einen klaren Standpunkt in der Schweiz zu vertreten. Auf jeden Fall ist es ein Schritt in die richtige Richtung, den Matchbesucher nicht zu entmündigen und ihn vor sich selbst zu schützen, sondern die Verantwortung in seine Hände zu legen. Dem Besucher mit Respekt zu begegnen und ihn nicht als Unruhestifter zu stigmatisieren. Man sieht sich am Bierstand. Zum Wohl!

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