Schreyhals 31 – JKF Spezial

Schreyhals 31 – JKF Spezial

SONDERUSSGOOB  Jugendkulturfestival BASEL 2011

Editorial

D Mame wo an dr Türe stoht, weiss das jetzt e Gschicht afoht …
Mehr oder weniger lange ist es her, seit ein jeder von uns, einen Schal um den Hals gewickelt und die Vorfreude in den Augen funkelnd, vom Vater ins Joggeli entführt wurde.

«Ja, jenseits des Stadions war die Welt schwarz. Eigentlich gab es gar keine andere Welt mehr.»

Oft wird versucht, diese Faszination zu beschreiben – ein Versuch, welcher im vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Immerhin, kürzlich habe ich bei der Lektüre eines Fussballbuches eine Stelle entdeckt, welche meinen Gefühlen über mein «entführt-werden» zumindest nährungsweise gerecht wird:

«Ich verliere mich sehr gerne an Erinnerungen an diesen Tag. Ich schliesse die Augen, höre das Tosen und spüre an meinen Wangen, auf meinem Rücken und auch an den Händen den rauen Stoff von Vaters Mantel. Auf der Stadiontribüne hatte er ihn geöff net, wie ein Vogel seine Flügel, und ihn um mich gelegt. Aus meinen nach kaltem Tabak riechenden Lodeniglu blickte ich auf zwei Welten. Die andere, die ferne, schlief jenseits der Tribünen in der Nacht. Die hiesige, im Stadion, brodelte. Ja, jenseits des Stadions war die Welt schwarz. Eigentlich gab es gar keine andere Welt mehr.»

Der dies schrieb war Philippe Dubath in seinem Buch «Zidane und ich», und anlässlich des Jugenkulturfestivals 2011 versuchen wir, einen Einblick zu gewähren: In eine Bewegung, welche viele Facetten hat und deren Darstellung niemals abschliessend und komplett sein wird.

«Die Welt diesseits der Stadien, die farbige, ist eine eigene, komplexe Welt voller Emotionen, Widerspruch und Grenzerfahrungen.»

Nichtsdestotrotz soll heuer am Gefühl, welches weiter vorne beschrieben und sich im Laufe der Jahre bei etlichen Fans manifestiert hat, gekratzt werden.
Die Welt diesseits der Stadien, die farbige, ist eine eigene, komplexe Welt voller Emotionen, Widerspruch und Grenzerfahrungen. Einen (kleinen) Teil davon gibt es im Pavillon zu entdecken:
Der Eintritt in die Fussballwelt verlangt den Ausbruch aus dem Alltag. Am Anfang der Kette (oder an deren Ende, je nach Perspektive) steht eine Eingangskontrolle. Symbolisch repräsentiert diese die Überwachung und Unterdrückung der Fankultur von politischer Seite. Einmal in dieser rotblauen Fussballwelt angekommen, wird man sofort von der Faszination Fussball umgeben. Es gibt unzählige Varianten, dieser Faszination Ausdruck zu verleihen. In der Kurve geschieht dies häufig durch kreative Mittel: Gesänge, Choreographien, Fahnen, Spruchbänder. Oft wird der Freude durch den Einsatz von Fackeln und anderen pyrotechnischen Artikeln zusätzlich Nachdruck verliehen – ein Umstand, dessen Bekämpfung durch Behörden, Vereine und Verbände konstant an Priorität gewonnen hat. Die Kriminalisierung und Verfolgung von Pyro hat in den letzten Jahren eine völlig neue Dimension angenommen. Als integraler Bestandteil der Fankultur wird Pyro aber von Kurve verteidigt, was nicht selten Auslöser für Auseinandersetzungen ist.
Die nachfolgenden Texte bieten einen Überblick über die angesprochenen Bereiche der Muttenzerkurve. Sämtliche Artikel sind in den Jahren 2009 bis 2011 in der Kurvenzeitung «Schreyhals» erschienen. Es liegt auf der Hand, dass diese Texte nur einen rudimentären Überblick zu den jeweiligen Themen bieten können und aufgrund der Dynamik (gerade in Bezug auf die Repressionsthematik) nur bedingt aktuell sind. Jeder Text widerspiegelt zudem die persönliche Meinung seines Autoren und erhebt keine Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

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