Schreyhals 17

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FCB – Wohin geht die Reise?

Am 27. August war es endlich soweit. Der FCB schaffte nach sechs Jahren gegen den portugiesischen Vertreter Guimaraes den Sprung in die europäische Königsklasse. Wer an diesem Abend im Stadion war, der hat die leuchtenden Augen der Spieler und vieler Fans nicht übersehen können. Aber es ist nicht mehr so wie damals.

2002 befand sich der FCB in einer völlig anderen Situation. Viele, die zu dieser Zeit mit dem FCB durchs Land reisten, hatten nie eine Meisterschaft erlebt. Die Ereignisse im April und Mai sind auch rückblickend immer noch gewaltig und atemberaubend. Nur wenige Monate später schaffte der FCB das Wunder gegen Celtic. Die Mannschaft, der Club und die ganze Stadt schwebten Monatelang auf einer schier endlosen Welle, die uns sogar unter die besten 16 Vereine das Kontinents spülte.
Was viele damals noch nicht einmal ahnten – all das war einmalig und wird so schnell nicht wieder kommen. Das intensive Jahr 2002 wirkte auf den FCB und seine Anhänger wie eine Droge. Jeder strebte nach einer Wiederholung der Ereignisse – wir sind süchtig geworden. Die nationalen Wettbewerbe waren auf einen Schlag emotional entwertet. Dies wurde auch von der Clubleitung forciert. Begonnen hatte es mit dem Meisterschaftsfinale 2003. GC wurde Meister und im Joggeli wurde die Vizemeisterschaft «gefeiert». Die Spieler sassen auf dem Feld und blickten mit allen Fans auf die großen Leinwände. Dort wurden die Tore aus der Champions League mundgerecht geschnitten und jedem wurde klar, es war die beste Saison aller Zeiten. Auf den Schönheitsfehler – den zweiten Platz – hatte kaum noch jemand geachtet.
Fortan gewann der FCB drei Meisterschaften und belegte zweimal den zweiten Rang. Erreicht wurde dies immer mit der teuersten Mannschaft der Liga, welche jedes Jahr in die Champions League einziehen sollte. International hatte der FCB in den «post-CL-Jahren» äusserst erfolgreiche Spielzeiten. Der Höhepunkt beziehungsweise Tiefpunkt war zweifellos das UEFA-Cup Viertelfinale gegen Middlesbrough. Die Wirkung und Anteilnahme (Anzahl der FCB Fans bei Heim- und Auswärtsspielen) war im Vergleich zu 2002 allerdings gering.
Frau Oeri hatte sogar den Gewinn des UEFA-Cups zeitweilig ins Ziel gefasst. Mindestens wurde aber immer wieder das «Überwintern» verlangt. Diese Ambitionen hatten mehrere Folgen. Die Erwartungen endlich wieder in den wichtigsten Vereinswettbewerb vorzustossen wurden von Jahr zu Jahr höher. Die finanziellen Aufwendungen für Spieler und Trainer blieben auf einer Höhe, die ohne große Transfererlöse und einer Sicherheit durch Frau Oeri nicht zu leisten gewesen wären. Die Nationalliga A verkam zum Alltagsgeschäft. Meistertitel und Cupsiege rührten immer weniger zu tränen und wurden «mitgenommen». Das einzige Ziel, welches alle voran trieb, war die Champions League.
Dieses Jahr war es dann endlich soweit.
Alle «Drogensüchtigen» spürten nach dem glücklichen Weiterkommen gegen die Portugiesen einen kleinen Rausch. Doch das war auch schon alles. Wir mussten erkennen, dass sich das Rad der Zeit in diesen sechs Jahren weiter gedreht hat. Wir haben sportlich keine Chance gegen unsere finanziell hoch gezüchteten Gegner. Sie spielen vor allem schneller, lauffreudiger, Ball- und Kombinationssicher und liegen technisch weit über dem Niveau unserer Mannschaft. Um diesen Abstand wieder aufzuholen müssen ganz andere finanzielle Mittel her. Vielleicht gibt es auch «Fussballwunder» oder einen «Exploit» wie Herr Gross es gerne beschreibt. Aber um dauerhaft die notwendige spielerische Klasse zu erreichen, kommt man am Faktor Geld nicht vorbei.
Der FCB muss also spätestens im Laufe dieser Saison eine Entscheidung treffen. Will man das notwendige Geld irgendwie auftreiben und diese Risiken gehen oder verabschiedet man sich von der bisherigen Zielsetzung? Weiter wie bisher geht es jedenfalls nicht. Wie soll der Verein gesund bleiben, wenn seine finanzielle Sicherheit nur auf Frau Oeris Schultern liegt?
Mein Ziel ist keineswegs das Engagement von ihr in ein schlechtes Licht zu stellen. Aber was ist eigentlich, wenn sie nicht mehr kann oder auch will. Die Vereinsleitung ist sicherlich gut beraten, wenn sie dieses Thema jetzt angeht und nicht zu einem Zeitpunkt an dem nur noch reagiert statt agiert wird.
Um in der CL Konkurrenzfähig zu sein, müssen private Geldgeber her auf deren Lust und Leidenschaft ein FC Basel nicht angewiesen sein darf. Durch Zuschauer-, Sponsoren- und TV-Einnahmen allein kann in der Schweiz kein solches Budget generiert werden.
Realistisch bleibt also nur ein Weg offen. Die Ansprüche müssen nach unten geschraubt, der Kader muss günstiger, und der Fokus muss wieder auf die Meisterschaft gerichtet werden. Doch dieser Weg wird keinesfalls leicht zu beschreiten sein. Es werden Saisonkarten zurückgegeben werden, weil die Ansprüche einiger nicht mit den beschriebenen übereinstimmen. Dies wird aber wahrscheinlich so oder so geschehen. Denn nach dieser Europacup Saison wird kaum noch jemand ein Vorkaufsrecht mit einer Jahreskarte erkaufen. Viele Spieler werden den Verein verlassen müssen und nicht zuletzt der Trainer. Dieser Weg birgt allerdings auch Chancen. Der FCB muss mit jungen Spielern einen Konzeptfussball verfolgen, der schnell, offensiv und attraktiv ist. Er muss dafür werben das die Fans der Mannschaft Zeit geben und vielleicht auch nach der ersten Saison auf dem 5. Platz steht. Einzelne herausragende Spieler, die ins europäische Ausland verkauft werden müssen, dürfen das Konzept nicht zum Einsturz bringen, sondern müssen mit weiteren jungen ersetzt werden. Das ist die einzige Weg, der finanziell bedrohliche Szenarien ausschließen kann. Die Nationalliga A wird somit ebenfalls an Attraktivität gewinnen. Und international bleibt die Hoffnung auf den «Exploit».
Sicherlich wird diese Umstrukturierung einschneidend und hart. Doch es bleibt kaum eine Alternative. Die Zeit zu handeln ist gekommen. Jedes verschenkte Jahr kann für den FCB sehr teuer und riskant sein.

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