Schreyhals 1

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Freitag, 6.8.2004 FC Basel 1893 vs. FC Zürich

Der Zweck des Fussballs

Worum es im Fussball geht, ist uns allen klar, die Tore als Masseinheit sind geradezu intuitiv zugänglich, und selbst die Regeln sind bis auf spezielle Situationen, wo sich auch Schiedsrichter uneinig sind, leicht verständlich und einprägsam. Doch wozu ist das ganze gut, wozu ist Fussball da, was ist eigentlich sein Zweck?

Die Frage erwischt uns auf dem falschen Fuss, kommt schon fast unfair daher; sind wir doch selbst Fans, seit Jahren, eigentlich seit immer, verstehen wir doch soviel davon, haben soviel gelitten und gefeiert und kramen nun nach Erklärungsversuchen, die, je länger wir suchen, dazu neigen Entschuldigungscharakter anzunehmen, sosehr bringt uns die Zweckfrage über einen der direktesten Sportarten aus dem Gleichgewicht. Also langsam, Zweck für wen? Der Zweck für die Angestellten ist sehr banal und hat sich schnell erschöpft: Geld und soziale Anerkennung, sowie eine Bühne für mehr Geld und mehr soziale Anerkennung – gähn.
Viel interessanter und differenzierter ist hingegen die Pathologie des Zwecks bei den Fans. Eine Vorarbeit zu diesem Thema haben bereits George Orwell und Nick Hornby geleistet. In „The Sporting Spirit“ identifizierte Orwell Kräfte wie Prestige und Rivalität die den Sport mit dem Krieg verbinden und der Artikel, in dem er Fussball und Boxen als Paradebeispiele anführt, kulminiert mit dem berühmt gewordenen Zitat: «Sport is war minus the shooting.» Wobei beim Fussball wird auch geschossen, zuweilen auch scharf. Über ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen des Artikels hat Orwell nicht ganz unrecht, greift aber dennoch zu kurz, soll er für einen Erklärungsversuch über den Zweck des Fussballs herhalten. Dann schon lieber Nick Hornby, der in seinem Debütroman «Fever Pitch» sein eigenes Fanverhalten beschreibt, erzählt als wäre er Psychiater und Patient in einem. Die Fans sind in seinen Augen Besessene, und wer es leugnet bietet nur einen weiteren Beweis für seinen Realitätsverlust – und Hornby hat recht, wenn er sagt, dass das Fanverhalten mehr über die eigene Person und die Gesellschaft aussagt, als über das Spiel selbst.
Kann es Zweck des Fussballs sein jedes Wochenende zigtausende von Besessenen in einen kriegsähnlichen Rausch zu versetzen, damit wir dann nur ein Spiegelbild von uns selbst und der Gesellschaft erfahren?

Doch Fussball ist auch eine Lebensschule: Wo sonst erfahren wir eine umfassendere Sozialisierung?

Ja, Fussball ist kriegsähnlich, sowohl auf dem Rasen, als auch auf den Rängen und sonstwo, entweder zwischen verschiedenen Vereinen oder zur Not auch innerhalb desselben, und wo viele Menschen zusammenkommen, entstehen Massenphänomene und Rollenspiele: Erkenne dich selbst und die Gemeinschaft in der du bist! Doch Fussball ist auch eine Lebensschule: Wo sonst erfahren wir eine umfassendere Sozialisierung? Wir lernen zu verlieren und zu gewinnen, lernen alle Farben von Emotionen kennen, sämtliche Permutationen, die absurdesten und wir lernen aus tiefster Verbitterung neue Hoffnung zu schöpfen. Wir lernen, dass die eigene persönliche Beziehung zum Verein ein Unikat ist, und wir immer nur ansatzweise verstanden werden und nur ansatzweise andere verstehen können. Und doch müssen wir einander finden, denn Fussball bedeutet aufgehen in etwas grösserem und heisst auch, sich ausdrücken, zu singen, zu tanzen und Meinung kundzutun, somit wird Fussball auch abseits des Rasens zur Kunst in einer Sublimation von Gefühlen, um eine Haltung zu zeigen.
Der Zweck wird sinnbildlich und zu recht haben wir uns auf uns, die Fans konzentriert. Ein Spiel ohne Fans, ist ein Spiel für die Götter, die die Angestellten nicht nach ihren Bedürfnissen entlöhnen können. Ein Spiel ohne Fans ergibt keinen Sinn. Sinn entsteht bei der Interaktion der Fans mit dem Spiel, wenn das Spiel mit den Zuschauern interagiert und das Spielgeschehen genauso in den Fans stattfindet, wie zwischen den Spielern; wenn das Spiel von den Fans mitgetragen wird und wir emotionale Verantwortung übernehmen, um auch selbst Sinn zu stiften.

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